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18.08.2011

Interview

Roman Klein im Gespräch

Roman Klein, Rote Liste

Eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung

Die Arzneimittel Zeitung (AmZ) sprach mit Roman Klein, Geschäftsführer der Rote Liste Service GmbH, über die Resonanz des PatientenInfo-Service bei der Pharmaindustrie und in der Öffentlichkeit.

AmZ: Herr Klein, warum sollten Pharmafirmen ihre Gebrauchsinformationen beim PatientenInfo-Service hochladen?

Roman Klein: Zum einen, weil sie damit ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, ihre Gebrauchsinformationen in Formaten zur Verfügung zu stellen, die für Blinde und Sehbehinderte geeignet sind. Diese Vorschrift wurde ja schon vor mehr als fünf Jahren in das Arzneimittelgesetz aufgenommen.
Die gesetzliche Verpflichtung ist aber nur ein Aspekt. Ein ebenso wichtiger Grund für einen Arzneimittelhersteller, diese Möglichkeit zu nutzen, ist aus meiner Sicht seine besondere Verantwortung für die Gesellschaft. Diese nimmt er ja schon dadurch wahr, dass er keine gewöhnlichen Produkte anbietet, sondern Medikamente, die Menschen bei Krankheit symptomatisch oder ursächlich helfen sollen. Da liegt es nahe, auch die Information, die man aus regulatorischen Gründen publizieren muss, allen Teilen der Gesellschaft und eben auch Blinden und Sehbehinderten zugänglich zu machen. Sehbehinderung ist ja ein wachsendes gesundheitliches Problem unserer alternden Gesellschaft. Wir leben zum Glück immer länger. Mit dem Älterwerden sind aber auch viele Augenerkrankungen verbunden, etwa die altersbedingte Makuladegeneration oder diabetische Retinopathien.

AmZ: Was hat Ihr Unternehmen dazu bewogen, hier als Anbieter aufzutreten?

Roman Klein: Arzneimittelinformation ist ja unsere Kernkompetenz. Wir kennen uns in diesem Metier aus, wir kennen die Inhalte und gehen damit tagtäglich um. Im Grunde ist die Gebrauchsinformation für Patienten die logische Erweiterung unserer Dienstleistungen, die wir mit der Roten Liste und mit Fachinfo.de für die Fachkreise erbringen. Und obwohl sich diese Informationen nicht an Laien wenden, ist der Begriff „Rote Liste“ auch außerhalb der Fachkreise bekannt.

AmZ: Wie war die Resonanz in der Öffentlichkeit, nachdem Sie das Projekt vorgestellt haben?

Roman Klein: Sehr gut: Wir haben eine Reichweite von vier Millionen Auflage erzielt – in Fach- und Publikumsmedien. Eine ganz wichtige Rolle für die positive Aufnahme in der Öffentlichkeit spielen unsere Kooperationspartner, der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband und die Unterstützung durch die Politik, insbesondere durch die Parlamentarische Staatssekretärin Frau Widmann-Mauz.

AmZ: Wie erleben Sie bisher das Interesse bei den Unternehmen der Pharmazeutischen Industrie?

Roman Klein: 20 bis 25 Unternehmen haben inzwischen definitiv zugesagt, PatientenInfo-Service zu nutzen. Dazu gehören mittelständische Unternehmen wie zum Beispiel Verla und Steigerwald ebenso wie große Konzerne, etwa Pfizer, Novartis und MSD. Ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet haben weitere 100 Unternehmen. Unser Ziel ist es natürlich, alle Unternehmen dafür zu gewinnen, ihre Gebrauchsinformationen auf der Plattform online zu stellen. Die vergangenen Monate haben wir noch für ein Feintuning am System genutzt. Inzwischen ist die Plattform für die Pharmaindustrie produktiv verfügbar.

AmZ: Das Hochladen der Gebrauchsinformation durch den Hersteller ist ja sehr einfach; aus dem Rich-Text-Format werden die vier Formate automatisch erzeugt. Anspruchsvoller sind da wahrscheinlich die Freigabe- und Korrekturprozesse durch den Hersteller, vor allem bei der Hörversion, die ja nicht das übliche amtliche Format für einen Beipackzettel ist.

Roman Klein: Ja, das ist aus Sicht des Herstellers ein wichtiger Aspekt, dass die Mechanismen im Unternehmen etabliert werden, die sicherstellen, dass die Hörversion beim PatientenInfo-Service genauso qualitativ hochwertig und korrekt ist, wie der gedruckte Beipackzettel in einer Schachtel.

AmZ: Da die Stimme ja synthetisch erzeugt wird und auf Umgangssprache trainiert ist, kann es schon mal zu Abweichungen der Aussprache und Betonung vor allem bei Handelsnamen oder bei der Bezeichnung von Wirkstoffen oder Wirkstoffgruppen kommen. Gibt es da eine Eingriffsmöglichkeit?

Roman Klein: Die gibt es. Solche Änderungen auf Wunsch des Herstellers leiten wir an den Dienstleister weiter, der die Sprachsoftware anbietet. Wir haben übrigens zusammen mit dem Dienstleister auch schon Vorarbeit geleistet, zum Beispiel der Stimme beigebracht, nicht „eins Bindestrich zwei Tabletten“ vorzulesen, sondern richtig „eine bis zwei Tabletten“.

AmZ: Was kostet die Teilnahme?

Roman Klein: Ein Hersteller zahlt einen geringen Jahresbeitrag. Für jede Gebrauchsinformation, die der Hersteller in den vier Formaten online stellt, zahlt er einmalig eine Gebühr. Jede weitere Aktualisierung derselben Gebrauchsinformation ist darin schon inbegriffen. Damit bieten wir einen Anreiz dafür, dass die Hersteller ihre Gebrauchsinformationen online stets aktuell halten. Für die Patienten bedeutet das: Beim PatientenInfo-Service ist die Information oft aktueller als in der Arzneimittelpackung. Denn die Produkte im Lagerbestand werden ja längst nicht mit jeder Änderung des Beipackzettels zurückgerufen.

AmZ: Schauen wir mal etwas in die Zukunft. Welche Weiterentwicklungen sind denkbar? Spezielle Apps für Smartphones oder Tablets?

Roman Klein: Denkbar wäre zum Beispiel eine App, mit der ich nur die PZN von der Arzneimittelpackung einzuscannen brauche, damit im Hintergrund unsere Plattform aufgerufen und die Patienteninformation vorgelesen wird. Auch für den Apotheker sehe ich eine neue Dienstleistung. Er könnte einem sehbehinderten Kunden das Großformat des Beipackzettels gleich in der Apotheke ausdrucken und aushändigen.


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